Interview

„Profession! Make up Artist!”

Ich komme ursprünglich aus der klassischen Maskenbildnerei, das war mein Traumberuf. Als ich aber gesehen hatte, wie der – vor allem in den großen Theatern – praktiziert wurde, war ich völlig desillusioniert. Da war keine „Kunst“, da war ein ordentliches Handwerk. Sicherlich hoch einzuschätzen, aber sowas entsprach mir und meinem Lebensplan überhaupt nicht. Durch glückliche Umstände bekam ich nach meiner Friseur- und Perückenmacherlehre eine Assistenz bei einem bekannten Studio-Friseur. Der war der Shooting-Star der 1980er und für mich ergab sich dadurch die Chance für Modemagazine zu arbeiten. Da war die Kreativität, die ich suchte, kein Tag glich dem anderen, Wiederholungen waren unerwünscht, neue Herausforderungen waren Alltag geworden. Alles passte zu mir und meiner Vorstellung vom „kreativen Leben“. So blieb ich dabei und wurde zu einer erfolgreichen Make-up Artistin. Ich selbst habe mich nie als „Artist“ bezeichnet. Ich fand das immer prätentiös. Das finde ich heute noch, vor allem wenn ich sehe, wie viele durchschnittlich arbeitenden Leute sich „Artist(in)“ nennen.

Wie genau definiert sich der Beruf – damals und heute?

Ein junger Modeberuf in den 1980ern. Attraktiv, vielseitig, spannend, aber doch weitgehend fremd. Welche Inhalte oder auch Facetten gehörten zu diesem Beruf? Dieser Frage nachzuspüren fand ich sehr spannend. So habe ich eine erste Arbeitsgruppe gegründet und eine Art „Lehrmodell“ daraus entwickelt. Zunächst als Test-Version, aber schon mit der Option diese auch als Lehrberuf zu praktizieren – und es funktionierte! Zwar war die Vermittlung und Bearbeitung von Gesichtern via Schminke extrem kompliziert, weil darin eine einmalige Individualität liegt, aber durch die notwendige Praxis-Erfahrung und ausreichend Lernzeit war das zu machen. So habe ich meine Idee, dem Beruf ein klares und definiertes „Gesicht“ zu geben, weiterverfolgt und spezialisiert. Als sich mehr Teilnehmer fanden und das Projekt zunehmend Form und Gestalt annahm, habe ich nach einem geeigneten Namen dafür gesucht. Was lag näher als die einfache Bedeutung des Wortes „Schönheit“ zu nutzen. Die „Beautyful Company“, die „Schöne Firma“! Das wurde sozusagen das Synonym und Forum für alles was wir im Bereich kreativer Gestaltung entwickelt hatten.

Die Schönheit und ihre vielen Gesichter.

Im Laufe der Jahre haben wir viele Make-up und Fotografie Experimente gemacht und interessante Ergebnisse erzielt. Mit „Schönheit im kommerziellen Sinn“ hatte das nur bedingt zu tun, allenfalls mit einer Idee von Schönheit. Das herauszuarbeiten war ja meine/unsere Absicht und erklärtes Ziel. Markt und die Medien

vermitteln Schönheit vor allem unter dem Aspekt des Werbens und Verkaufens. Ökonomisch sicher wichtig, aber in der Darstellung zu einsilbig. Ich bin interessiert an größtmöglicher Vielfalt und dies beinhaltet die Gestaltung von Personen für unterschiedlichste Bereiche und Bedürfnisse. Vor allem das Show-Business, die Modepräsentationen in Social Medias, der Mode-Magazine und Runway Shows. Ich sehe „Make up“ viel umfassender und ich habe es immer als kreatives Konzept angewendet und vermittelt.

Unsere ästhetische Zukunft?

Ein wichtiges Thema. Die Gesellschaft ist durch ihren „Jugendwahn“ im Begriff sich ästhetisch umzuformen. Im Gegensatz zu „Anti“ wird auch „Pro-Age“ zukünftig eine Rolle spielen. Das Alter war in der Mode zuletzt ein Tabu-Thema, aber im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen werden Verhältnisse neu definiert. Wir werden lernen „anders“ zu sehen. Neue Schönheits-Ideale – ich will es mal „fremdartige Gesichter“ nennen –sind ein manipulativer Prozess. Wenn eine 70jährige heute wie eine junge Frau aussehen kann, dann ist unser Blick für das natürliche Altern verstellt. Aber solange die Falten in unserem Gesicht uns in Angst und Schrecken versetzen, solange haben wir ein schlechtes Verhältnis dazu. Der zwingende – und heute auch einfache Weg zu vermeintlicher Schönheit, könnte der Besuch beim Schönheits-Spezialisten werden. Und um Ihre Frage zu beantworten: Tendenz hoffnungslos steigend!

Die Fotografie als kongenialer Partner?

Ja, weil das Bild fixiert, was wir mittels unserer Arbeit nicht leisten können. Wir arbeiten mit Schminke am lebenden Modell, nicht auf Papier oder Leinwand wie ein Maler. Das Bild ist unsere Kommunikationsform, die kreative Möglichkeit und unsere unerlässliche Referenz.

Welche Rolle spielt die digitale Fotografie?

Auch für uns sind die digitalen Möglichkeiten ein großes Thema. Durch die Rechner wird unsere Arbeit schnell und absolut perfekt retuschiert, ersetzt, verbessert. Das ist spannend, aber auch bedrohlich. Vor allem wenn man im guten Glauben an das bessere Ergebnis, die „perfekte“ Maschine dem „fehlbaren“ Menschen vorzieht. Ich selbst lasse mich dadurch nicht entmutigen! Im Gegenteil, ich betrachte mittlerweile die Maschine als nützliches „Ersatzteil“…

„Profession! Make up Artist! – Es war mir immer wichtig das kulturelle Niveau des Berufes anzuheben…”